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Aufzucht

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Schwärmen = Vermehren

Bienenschwarm

Durch den Schwarmtrieb sichert sich die Natur die Vermehrung der Bienenvölker. Die Imker wünschen sich jedoch Völker, die möglichst nicht schwärmen und sich trotzdem gut entwickeln. Gründe dafür sind:

  • Ein Volk, das schwärmen will, baut nicht mehr und sammelt weniger.
  • Schwärme gehen oft verloren, vor allem dem Fernstand-Imker.
  • Angeschwärmte Muttervölker brauchen zusätzliche Pflege und Aufmerksamkeit.
  • Als schwarmfördernde Faktoren gelten:

  • Zu wenig Raum.
  • Viel verdeckelte Brut im Volk.
  • Keine Legemöglichlkeit für die Königin.
  • Erbliche Veranlagung.
  • Geringe Honig-, aber gute Pollentracht.
  • Eine längere Schlechtwetterperiode nach guter Blütentracht.
  • Wechselhaftes Wetter.
  • Flüssigfütterung im späten Frühling.
  • Zögernde Erweiterung.
  • Mangel an Baugelegenheit.
  • Ältere, drei- bis vierjährige Königinnen.
  • Zu intensive Sonnenbestrahlung der Kästen oder Bienenhaus-Flugfronten.
  • Als schwarmhemmende Faktoren gelten:

  • Brutableger und Kunstschwärme bilden.
  • Anhaltende, massive Tracht.
  • Rechtzeitiges Erweitern.
  • Viele Mittelwände und Drohnenwaben bauen lassen.
  • Junge Königinnen.
  • Erbliche Veranlagung.
  • Beschattung der Flugfront nachmittags z.B. durch Laubbäume.
  • Schwarmtrieb erkennen und unterbinden.
  • Schwarmtriebige Völker bauen plötzlich nicht mehr, sammeln weniger intensiv und weisen bald bestiftete Weiselnäpfchen auf. Um sicher beurteilen zu können, ob ein Volk schwärmen will, muss es der Imker kontrollieren. Findet er am Rande der Brutwaben Weiselzellen, wird das Volk höchstwahrscheinlich schwärmen. Weiselzellen können in mehreren Entwicklungsstadien beobachtet werden:

  • Weiselnäpfchen, so genannte Spielnäpfchen, werden in großer Anzahl angeblasen. Der Schwarmtrieb erwacht. Eingriffe des Imkers sind noch nicht nötig. Eventuell erweitern oder schröpfen.
  • Einzelne Weiselnäpfchen sind mit einem Ei bestiftet. Der Schwarmtrieb ist erwacht. Ob das Volk schwärmen wird, ist aber noch nicht sicher.
  • Die bestifteten Weiselnäpfchen können auch wieder ausgeräumt werden, wenn eine gute Tracht einsetzt oder wenn der Imker eingreift:
  • Volk erweitern oder schröpfen (Brutableger oder Kunstschwarm mit alter Königin bilden)
  • Es werden Larven in den Weiselzellen gefüttert oder die Zellen sind verdeckelt. Das Volk wird schwärmen, der Imker muss eingreifen.
  • Er hat verschiedene Möglichkeiten:

  • Königinnenableger bilden.
  • ganzes Volk in Brutableger mit je einer Schwarmzelle aufteilen.
  • Kunstschwarm mit alter Königin bilden.
  • das Schwärmen durch Zwischenableger unterbinden.
  • Aufzuchtverfahren von Königinnen

    Im Laufe der Jahre wurde von den Züchtern eine Vielzahl von Aufzuchtmethoden entwickelt. Fast jeder bedeutende Züchter hat sein eigenes Verfahren. Dabei muss gesagt werden, dass früher vieles umständlicher und mit mehr Beiwerk durchgeführt wurde, als es heute üblich ist.
    Weiselzelle im Bienenstock

    Bei der Wahl des Aufzuchtverfahrens spielen viele Faktoren eine Rolle. An erster Stelle steht dabei die Anzahl der zu erzeugenden Königinnen. Einen nicht unbedeutenden Einfluss hat aber auch die Betriebsweise. Weitere Faktoren sind die Verfügbarkeit des Zuchtstoffs, die Jahreszeit und die klimatische Lage, in der der Züchter arbeitet. Gerade dieser letzte Punkt wird häufig zu wenig beachtet. In warmen und milden Regionen läuft alles sehr viel problemloser als in ungünstigen Lagen. Es gibt viele bewährte Aufzuchtverfahren, die der einzelne Züchter mehr oder weniger für seine speziellen Bedürfnisse modifiziert.

    Zucht im Pflegevolk mit 9 Tage gesperrter Königin

    Dieses Verfahren ist besonders dort geeignet, wo in Blätter- oder anderen Hinterbehandlungsbeuten gearbeitet wird. Es beruht darauf, die Königin neun Tage vor Zuchtbeginnn abzusperren, um sie dann unmittelbar vor der Zuchtstoffgabe mit der offenen Brut ganz zu entfernen. So ist das Pflegevolk gezwungen, über dem gereichten Zuchtstoff Weiselzellen zu errichten. Das zum Pflegen vorgesehene Volk soll Brut- und Honigraum gut besetzen. Neun Tage vor Zuchtbeginn sucht man die Königin und setzt sie mit der Brutwabe, auf der sie sich befindet, zunächst seitlich auf den Wabenbock. Dann wird der Honigraum leer geräumt, die Bienen fegt man in den Brutraum. Anschließend gibt man die Brutwabe mit der Königin vom Wabenbock in den Honigraum und rechts und links daneben je zwei Leerwaben, so dass sich im Honigraum fünf Waben befinden. Der restliche Raum wird mit einem Schied abgesperrt oder in Hinterbehandlungsbeuten im Querbau mit dem Fenster abgeschlossen. Das Honigraumflugloch bleibt geschlossen. Vor das Flugloch im Brutraum gibt man ein Absperrgitter, damit keine fremde Königin zufliegen kann. Man achte aber ständig darauf, dass dieses nicht mit Drohnen verstopft wird. Wenn das Pflegevolk im Stapel mit anderen Völkern steht, ist weiterhin zu empfehlen, den Fluglochbereich mit Blenden gegen ein Überlaufen der Pflegevolkbienen in andere Völker abzuschirmen. Neun Tage später ist sämtliche Brut im Brutraum verdeckelt. Jetzt ist die Zeit gekommen, das Pflegevolk zu entweiseln. Zunächst wird der Brutraum auf evtl. angesetzte Nachschaffungszellen durchgesehen. Sind solche vorhanden, was sehr selten der Fall ist, so bricht man diese aus. Eine möglichst brutleere Wabe aus dem Brutraum wird entnommen. Stattdessen gibt man eine Wabe mit ein- bis eineinhalbtägigen Maden und den anhängenden Bienen aus dem Honigraum (jedoch ohne Königin!) nach unten in den Brutraum. Diese Wabe wird mit einem Reißnagel gekennzeichnet und kommt in die Mitte des Brutnestes. Die Königin gibt man mit einer Brutwabe in einen Ablegerkasten. Der Ableger wird mit Bienen aus anderen Völkern verstärkt (im Mai/Juni ohne Risiko). Keineswegs verwendet man dazu die Ammenbienen aus dem Honigraum. Sie werden für die Pflege der Weiselzellen im Pflegevolk benötigt und sind deshalb in den Brutraum abzufegen. Die anfallenden Brutwaben kann man ohne Bienen mit in den Ableger geben oder auf die Honigräume anderer Völker verteilen, die eine solche Mehrbelastung vertragen. Anschließend wird der Honigraum des Pflegevolkes abgedeckelt.

    Zucht über den Vorbrütekasten

    Für den Transport von Zuchtstoff eignet sich das Zuchtverfahren über den sog. An- oder Vorbrütekasten am besten. Es ist wirtschaftlich, da man damit sicher arbeitet und einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz angenommener Zellen erzielt. Es beruht darauf, außerhalb des Pflegevolkes in dem Anbrütekasten einen weisellosen Volksteil zu schaffen, dem man die Zellen mit dem Zuchtstoff für die erste Pflege übergibt. Nach 24 Stunden bringt man dann die angenommenen Weiselzellen mit den Pflegebienen in das vorbereitete Pflegevolk, in dem sie bis zum Schlüpfen verbleiben.
    Zunächst benötigt man einen Vorbrütekasten. Er lässt sich einfach aus ca. 2 cm starken Brettern herstellen. Ebenso eignet sich eine wasserfeste Spanplatte. Aber auch ein Ablegerkasten ist mit wenigen Handgriffen zu einem Vorbrütekasten umzubauen. Der Anbrütekasten soll drei, besser vier oder fünf Waben im Standmaß fassen. Für eine feste Abstandsregelung der Waben und eine Lüftung vom Boden oder von der Stirnseite her ist zu sorgen. Am einfachsten ist es, den Boden mit einer weitmaschigen, verzinkten Gaze zu benageln. Allerdings soll der Kasten dann auf zwei Leisten stehen, damit ständig von unten her eine Luftzufuhr möglich ist und die Bienen bei der dichten Besetzung nicht verbrausen. Die Abdeckung nach oben erfolgt mit einer ca. 8 mm starken Sperrholzplatte, in der sich die Löcher für die Zuchtstopfen befinden. Es können je nach Anzahl der Waben 36 bis 60 Bohrungen von 17 mm Durchmesser sein. Es eignen sich auch gut die käuflichen Zuchtlatten, die man als Abdeckung nebeneinander legen kann. Zwischen Waben und Deckbrett soll ein lichter Abstand von 3 bis 4 cm bleiben, damit sich die Bienen unter den Näpfchen gut sammeln und diese weiter ausziehen können. Über der Abdeckung sollte noch Raum zur Aufnahme einer Isolierschicht zum Halten der Brutwärme vorhanden sein. Das Ganze kann man mit einem Holzdeckel verschließen. Zweckmäßig ist auch ein Handgriff oder ein Tragegurt.
    Das als Pflegevolk vorgesehene Volk soll stark, vital und gesund sein. Vier bis fünf Stunden vor dem eigentlichen Umlarvtermin wird der Anbrütekasten gefüllt. Der Brutkörper des für die Pflege vorgesehenen Volkes wird auf den Wabenbock gestellt und nach der Königin durchgesehen. Die Wabe mit der Stockmutter kommt zurück in die Beute. Sind die meisten Flugbienen von den Waben abgeflogen, fegt man von acht bis zehn Brutwaben mit offener Brut (je nach Größe des Vorbrüters) die Bienen in den Anbrütekasten. Dieser soll gut bis zur Hälfte gefüllt sein. Gerade eine ausreichende Anzahl von Ammmenbienen ist für die Annahme und gute Pflege von ausschlaggebender Bedeutung. Aus Erfahrung kann von einer ungenügenden Besetzung nicht eindringlich genug gewarnt werden. Bei Umlarvtagen erlebt man es immer wieder, dass Imker mit mangelhaft gefüllten Vorbrütern erscheinen. Die Annahme und Pflege sind dann natürlich entsprechend gering, und damit ist die ganze vorbereitende Arbeit umsonst. Selbstverständlich darf die Königin keinesfalls mit in den Vorbrüter gelangen. Zu viele Bienen im Vorbrüter stiften Unruhe und sind für die Pflege der Zellen nutzlos. Daher wird vor allem auf Jungbienen geachtet. Die abgefegten Waben kommen zurück in die Beute.
    Zu den Bienen im Vorbrüter gibt man Futterwaben mit einer ausreichenden Menge von Honig und Pollen, der nicht fehlen darf. Dazu kommt eine Wasserwabe. Diese gewinnt man, indem man Wasser auf eine Wabenfläche gießt; durch Klopfen an den Wabenschenkeln entweicht die Luft, und die Zellen füllen sich mit Wasser. Man achte peinlich darauf, dass die zugehängten Waben weder Stifte noch Brut enthalten. Andernfalls können die Bienen über offener Brut unerwünschte Weiselzellen errichten und so die Annahme des gebotenen Zuchtstoffes verweigern. Außerdem soll dadurch erreicht werden, dass nur an einer Stelle Brutwärme erzeugt wird, nicht etwas noch über verdeckelter Brut in der unteren Hälfte des Vorbrüters. Hat man sich davon überzeugt, dass die Waben fest stehen und sich während des Transportes nicht bewegen können, deckt man den Kasten mit dem Einsatz, der die Zuchtstopfen enthält, ab. Will man umlarven, müssen die Zuchtstopfen mit Weiselbechern aus Wachs oder Kunststoff versehen sein. Will man geschnittene Zellen geben, verwendet man Klemmstopfen. Anschließend deckt man den Vorbrütekasten mit der Isoliermatte und dem Deckel ab. Für drei bis vier Stunden kommt er nun an einen kühlen Ort. Nach der Wartezeit fühlen sich die Bienen weisellos und heulen.
    Auf dem Stand mit dem Zuchtvolk wird umgelarvt. Der Zuchtstoff kann aber auch in anderer Form gegeben werden. Will man von mehreren Völkern Zuchtstoff verwenden, empfiehlt es sich, die Stopfen farbig zu kennzeichnen, damit später Verwechslungen ausgeschlossen sind. Ist der letzte Stopfen belarvt, wird die Wärmematte wieder aufgelegt, damit keine Brutwärme verloren geht. Die Zellen werden schnell in Pflege genommen und mit Futtersaft versorgt. Schon nach einer halben Stunde kann man die Annahme kontrollieren und evtl. nachlarven.
    Aus Erfahrung wird dazu geraten, mit dem Transport des Anbrüters etwas eine Stunde zu warten, wenn die Annahme gesichert ist. Auf der Fahrt kann es nämlich vorkommen, dass die erste, entscheidende Pflege vernachlässigt wird. Für die weiteren 24 Stunden kommt der Vorbrüter an einen kühlen, doch nicht zu kalten Platz im Hause. In der warmen Bienenhütte bestünde die Gefahr des Verbrausens.
    Nach dieser Zeit werden die angenommenen Zellen mit den Ammenbienen in das Pflegevolk überführt, in dem sie bis zum Schlüpfen verbleiben. Die Zuchtstopfen werden je nach ihrer Anzahl in ein bis zwei Zuchtrahmen untergebracht. Dabei nimmt man schon eine gewisse Auslese vor. Nur gut gepflegte Zellen mit reichlich Futtersaft sollte man weiter verwenden. Gute Erfahrungen wurden damit gemacht, den Zuchtrahmen in den Honigraum eines weiselrichtigen Pflegevolkes zwischen nach oben gehängte offene Brutwaben zu geben, wo sich die meisten Ammenbienen befinden. Dazu kommen die Bienen aus dem Anbrüter. Diese pflegen die Zellen sofort weiter, während die Bienen des Pflegevolkes zunächst noch gar kein Bedürfnis haben, Weiselzellen zu pflegen, und es aus diesem Grunde für längere Zeit zu einer Unterbrechung der Fütterung kommen kann. Mehr als 20 Zellen sollten bei diesem Verfahren einem Volk nicht zugemutet werden. Sonst wird ihnen keine ausreichende Pflege zuteil, was sich sehr negativ auf die Qualität der späteren Königinnen auswirkt. Enthält der Anbrüter mehr gut gepflegte Zellen, was in der Regel der Fall sein wird, so kann man damit den Honigraum eines zweiten starken und gut versorgten Volkes bestücken, nachdem man auch hier mindestens 3 Waben mit offener Brut nach oben gehängt hat (Achtung! Königin im Brutraum belassen!). Die Ammenbienen des Vorbrüters sind bei mehreren Pflegevölkern entsprechend aufzuteilen.
    Die Weiselzellen verbleiben bis zum Schlüpfen im Honigraum des Pflegevolkes. Nach vier bis fünf Tagen werden sie verdeckelt. Diese Tage sind entscheidend für die Ernährung und somit für die Qualität der zu erwartenden Königinnen. Aus diesem Grund ist dafür zu sorgen, dass sich genügend Ammenbienen im Honigraum befinden. Das ist nur dann der Fall, wenn die Pflegevölker stark genug sind und im Honigraum viel offene Brut vorhanden ist. Außerdem ist bis zur Verdeckelung der Zellen bei fehlender Tracht mit einer Honiglösung zu reizen.
    Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob Völker mit den Weiselzellen im Honigraum schwärmen. Aus umfangreichen Erfahrungen heraus kann diese Frage verneint werden. Es sind keine Fälle bekannt, wo ein mit der weiteren Pflege der Zellen betrautes Volk schwärmte.
    Neben der Zucht im Honigraum des weiselrichtigen Volkes kann man natürlich auch nach jedem anderen Aufzuchtverfahren im weiselrichtigen oder weisellosen Pflegevolk die Zellen zu Ende pflegen lassen. Zum Beispiel besteht ein anderes, recht brauchbares Verfahren darin, das Pflegevolk erst kurz vor Zuhängen der Zuchtserie zu entweiseln. Der Zuchtrahmen mit den bereits in Pflege genommenen Zellen wird zwischen zwei Waben mit offener Brut gehängt. Auch hierbei kommen die Ammenbienen des Vorbrüters mit in das Volk. Vielfach verwenden die Bienen aber ihre Kraft noch auf die Pflege wilder Zellen, die sie über der offenen Brut auf den Waben errichten. Diese wilden Nachschaffungszellen müssen rechtzeitig ausgebrochen werden. Durch eine Vielzahl solcher wilden Zellen kann die Versorgung der Zuchtserie sehr zu wünschen übrig lassen. Auch bei diesem Verfahren ist täglich mit Honiglösung zu reizen. Das hier geschilderte Zuchtverfahren über den Vorbrüter hat sich über viele Jahre bewährt. Es ist besonders dort zu empfehlen, wo Zuchtstoff transportiert werden muss. Bei vielen Instituten, bei Muttertierstationen, auf Prüfständen und auf Ständen von Züchtern werden jährlich Umlarvveranstaltungen abgehalten, bei denen Zuchtstoff abgegeben wird. Auf mittleren Ständen kann häufig mit einer Zuchtserie der Jahresbedarf an Königinnen gedeckt werden.

    Zucht über Starter und Finisher

    Hier handelt es sich um eine Zuchtmethode, die vorwiegend von den kommerziellen Zuchtbetrieben angewendet wird, also dort, wo jährlich eine große Zahl an Königinnen benötigt wird.Schon der Name lässt erkennen, dass dieses Verfahren in den USA entwickelt wurde und von dort zu uns gekommen ist. Es ist besonders geeignet für Magazinbetriebsweisen. Das Verfahren geht, ebenso wie die Zucht über den Vorbrüter, von einer geteilten Pflege der Zellen aus. Die erste Pflege erfolgt im sog. ‚Startervolk‘, die Endpflege wird in einem anderen, den sog. ‚Finisher-Völkern‘ durchgeführt. Im Gegensatz zu dem vorgenannten Verfahren handelt es sich bei dem Starter um ein ganzes Volk, das nicht nur für eine, sondern für vier bis fünf Serien die erste Pflege übernimmt. Als Mindeststärke für ein vollwertigen Starter gilt ein Magazinvolk, das mindestens zwei, besser drei Zargen stark belagert. Zur Erstellung solcher Startervölker, insbesondere dann, wenn man sie schon Anfang Mai zur Zucht einsetzen will, kann folgende Empfehlung gegeben werden: An einem warmen Frühlingstag wird dem als Starter vorgesehenen und auf zwei Zargen eingewinterten Volk ein Ablegervolk (eine Zarge) über Absperrgitter aufgesetzt. Beide Königinnen bleiben dabei erhalten und beginnen mit dem Brutgeschäft. Die obere Königin wird Anfang Mai mit einem kleinen Ableger entnommen. Auf diese Weise entsteht ein sehr starkes Volk, das schon früh als Pflegevolk eingesetzt werden kann. Aber auch andere starke und vitale Völker sind als Starter geeignet.
    Es ist zweckmäßig, das Startervolk möglichst getrennt von anderen Völkern aufzustellen. Das erleichtert viele Zuchtarbeiten, verhindert aber auch, dass sich ein Teil der Bienen des weisellosen Starters bei benachbarten Völkern einbettet oder zu ihnen überläuft.
    Etwas 3 – 4 Stunden vor Ansetzen der ersten Zuchtserie wird das Startervolk vorbereitet. Zunächst gibt man die Königin mit ein oder zwei Waben offener Brut in einen Ablegerkasten. Das gesamte Volk wird dann auf eine Zarge zusammengestaucht. An die Seiten dieser Zarge gibt man je eine Honigwabe, beidseits daneben eine Pollenwabe. Der restliche Raum wird mit der verdeckelten und auslaufenden Brutwaben aufgefüllt. Offene Brutwaben dürfen nicht im Starter verbleiben. Zwei Wabengassen etwa in der Mitte der Zarge werden freigelassen. Von den restlichen Waben werden alle Bienen in den Starter abgestoßen. Die Waben werden auf andere Völker verteilt, die offenen Brutwaben auf die Honigräume der Völker, die als Finisher vorgesehen sind.
    Der so entstandene Starter quillt förmlich vor Bienen über. Das ist wichtig und ein ganz entscheidender Faktor. Der Erfolg beim Ansetzen einer Zucht hängt in erheblichem Maße von dem Verhältnis zwischen Bienen und Raum ab. Je mehr Bienen auf engstem Raum, desto vorteilhafter ist es für die Annahme der Zuchtserie. Vergessen werden darf auch nicht das Absperrgitter vor dem Flugloch oder unter der untersten Zarge, denn jedes weisellose Volk zieht umherfliegende junge Königinnen an.
    Kurze Zeit nach Bildung des Starters tritt Weiselunruhe ein. Das Volk heult kräftig und die Bienen laufen aufgeregt an der Beutenfront herum. In den beiden verbliebenen Wabengassen haben sich Jungbienen gesammelt und aufgekettet. Hier hängt man 3 bis 4 Stunden später je einen Zuchtrahmen mit ca. 20 belarvten Weiselnäpfchen ein. Insgesamt werden dem Starter also etwas 40 Zellen gegeben. Bei fehlender Tracht wird mit einer dünnflüssigen Honiglösung (1:1) im Futtereimer, dessen Sieb man mit Klebestreifen etwas verkleinern kann, gefüttert. Der gebotene Zuchtstoff wird rasch in Pflege genommen. Schon nach wenigen Stunden sind die Larven gut mit Futtersaft versorgt.Sie verbleiben 24 bis maximal 48 Stunden im Startervolk. Anschließend wird der Starter neu belarvt.
    Nach dieser Zeit kommen die Zellen für die Endpflege in die Honigräume der Finisher-Völker. Hier gilt das bei ‚Zucht über den Vorbrütekasten‘ Gesagte. Als Finisher-Volk ist jedes starke Wirtschaftsvolk geeignet. Wichtig ist vor allem – und darauf sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich hingewiesen – dass sich im Honigraum genügend offene Brut mit ihren Ammenbienen befindet. Ein Volk, das für die Endpflege eingesetzt wird, sollte mind. über 3, besser 4 offene Brutwaben im Honigraum verfügen. Zwischen die offene Brut wird die Zuchtserie gegeben, wobei einem Volk nicht mehr als 20 Zellen gleichzeitig zugemutet werden sollten. Die Zellen bleiben bis zum Verschulen in den Finisher-Völkern.

    Zucht im weiselrichtigen Volk

    Das Absperrgitter behindert den vollkommenen Austausch der Königinnensubstanz im Volk, auf der die Harmonie und innere Ordnung beruhen. Dem Praktiker ist bekannt, dass im Honigraum in einigem räumlichen Abstand zur Königin beim Vorhandensein genügend offener Brut bisweilen Nachschaffungszellen herangezogen werden. Diese Erfahrung liegt der Zucht im weiselrichtigen Volk zugrunde. Besonders erfolgreich ist dieses Verfahren in wärmeren Regionen. Deshalb wird es dort von den kommerziellen Königinnenzüchtern gern angewandt.
    Unter unseren klimatischen Bedingungen ist es nur in der Hauptsaison, im Juni und Juli, mit Erfolg durchführbar. Im Mai und Ende Juli/Anfang August werden die Zellen nicht angenommen. Nicht alle Völker sind zur Pflege von Zellen im Honigraum bereit; die Pflegewilligkeit ist hier noch weniger voraussagbar als bei weisellosen Pflegevölkern. Nach KRIEGER (bayrischer Züchter, mdl. Mitteilung) ist das Verfahren nur bei solchen Völkern erfolgreich, die über eine zweijährige oder ältere Königin verfügen. Weiter ist es sehr vorteilhaft, wenn die für dieses Verfahren vorgesehenen Völker zuvor schon als Finisher-Völker für die Weiterpflege von angebrüteten Weiselzellen aus weisellosen Startern eingesetzt wurden. So sind sie schon in Pflegestimmung. Dies wurde über viele Jahre an der österreichischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Bienenkunde (Außenstelle Lunz) – mit Erfolg praktiziert. Die ersten Serien werden in weisellosen Völkern gestartet, erst Ende Mai/Anfang Juni beginnt die Zucht in den weiselrichtigen Völkern, mit denen man zuvor die Endpflege der Zellen durchgeführt hatte. In Lunz, aber auch in den USA arbeitet man mit Magazinen, in Italien und in Süd-Rußland in Lagerbeuten. Beide Möglichkeiten sind vom Prinzip her ähnlich. Sie werden im folgenden kurz beschrieben.

    Magazin

    Das als Pflegevolk vorgesehene Volk soll brutfreudig und stark sein und mindestens drei Zargen gut besetzen. Den Brutraum mit der Königin engt man auf die untersten Zargen ein. Über das Absperrgitter gibt man den Honigraum ohne Brut, jedoch mit Futterwaben. In die oberste Zarge hängt man 4 – 6 Waben mit offener Brut und den darauf befindlichen Bienen. In der Mitte belässt man eine Wabengasse für die Aufnahme der Zuchtserie. Den restlichen Raum füllt man mit verdeckelten Brutwaben auf. In der Wabengasse sammeln sich die 9 – 11 Tage alten Pflegebienen als dichter Pelz. Etwas drei Stunden später wird ein belarvter Zuchtrahmen mit 20 Zellen eingehängt. Bei mangelnder Tracht ist ständig mit einer Honig-Zuckerlösung zu füttern. Die angebrüteten Zellen kann man bereits nach 48 Stunden entnehmen und – wie bei den vorher beschriebenen Verfahren – in Honigräumen anderer Völker fertig pflegen lassen. Sie können aber auch bis zum Verdeckeln im Volk bleiben.

    Lagerbeute

    Zunächst wird ein starkes, mindestens 20 Waben belagerndes Pflegevolk in einer Lagerbeute ausgewählt. Gut eignet sich z.B. die Trogbeute T 120. Der Wabenbestand wird geordnet: Zwei oder drei Pollen- und Futterwaben kommen an die Stirnseite der Beute, dann folgt die Brut. Die restlichen Futterwaben bilden den Abschluss. Durch ein senkrechtes Schied mit einem 8 cm x 5 cm großem Absperrgitter wird der Brutkörper geteilt. In dem vorderen Teil befindet sich die Königin. Im hinteren Teil wird zwischen zwei Waben mit offener Brut eine Wabengasse geschaffen, in die man einen Zuchtrahmen mit ca. 15 – 20 belarvten Zellen gibt. Mit Honig-Zuckerlösung ist ständig über der Zuchtserie zu füttern. Bereits nach 48 Stunden können die angenommenen Zellen auf Honigräume weiselrichtiger Völker zur Endpflege verteilt werden. Dem Pflegevolk wird eine neue Serie gegeben. Die Zellen können aber auch bis zum Verdeckeln im Volk bleiben.
    Gleichgültig, ob Magazin oder Lagerbeute, die Bienen müssen auf die Annahme und Aufzucht von Weiselzellen dressiert‘ werden.
    Die ersten Schritte werden oft mäßig angenommen, die folgenden meist besser. Große Serien, wie in weisellosen Völkern oder gar im Starter, wird man nie erreichen. Mit 10 – 20 Zellen wird man zufrieden sein. Ist eine Volk einmal in Pflegestimmung, so muss es wie eine Milchkuh ständig gemolken werden, damit die Futtersafterzeugung nicht zurückgeht. Ob dem weiselrichtigen Volk im 28-Stunden-Turnus jeweils eine neue Serie gegeben wird oder ob die Zellen bis zum Verdeckeln im Volk belassen werden, ist für die Annahme der folgenden Serien nicht von Bedeutung. Das hängt vielmehr von der Anzahl der Pflegevölker und von dem Bedarf an Königinnen ab. Länger als fünf Tage sollte man mit dem Austausch der Zuchtserie nicht warten, da dann die Pflegestimmung abnimmt. In der Praxis wird sich für jeden Betrieb ein Turnus einspielen, in dem der Austausch der Zuchtserien erfolgt. Dabei wird es immer einmal Verschiebungen durch Witterungseinflüsse, andere zwingende Arbeiten oder durch mangelnde Verfügbarkeit von Zuchtstoff geben. Wichtig ist nur, dass man sich die Haupttermine für die einzelnen Serien genau notiert. Sonst gibt es spätestens beim Schlüpfen böse Überraschungen.
    Der Austausch der einzelnen Serien soll zügig und möglichst in einem Arbeitsgang erfolgen. Wartet man nach der Entnahme der angenommenen Zuchtserie mit dem Zuhängen neuer belarvter Zellen mehrere Stunden, errichten die Bienen über der offenen Brut benachbarter Waben wilde Zellen, oder aber die Pflegestimmung lässt nach.
    Es muss dafür Sorge getragen werden, dass im Honigraum in unmittelbarer Nähe des Zuchtrahmens ständig ausreichend offene Brut vorhanden ist. Daher hängt man möglichst bei jedem Austausch der Zuchtserie auch offene Brut aus dem Brutraum in den Honigraum.
    Die weiselrichtigen Pflegevölker sind über einen relativ langen Zeitraum im Einsatz und sind bei fehlender Tracht ständig zu füttern. Bei dieser Dauerreizung ist es unvermeidbar, dass Zucker in den Honig gelangt. Die Waben dieser Völker hebt man als Futterwaben für Ableger auf oder schleudert sie gesondert zwecks Gewinnung von Futterhonig zur Herstellung von Honigzuckerteig, den man in der Königinnenzucht reichlich benötigt.
    Häufig wird empfohlen, für die Zucht im weiselrichtigen Volk die ersten Serien feucht umzularven. Dies ist jedoch nicht erforderlich. Bessere Annahmeergebnisse werden damit nicht erzielt.
    Da sich die Pflegevölker nicht verbrauchen, ist diese Methode zur kontinuierlichen Erzeugung von Königinnen guter Qualität geeignet. Da aber weit weniger Zellen als bei anderen Verfahren angenommen werden und vor allem bei weitem nicht alle Völker auf die Pflege abgerichtet werden können, hat sich dieses Verfahren in Deutschland nicht so durchsetzen können wie in anderen Ländern. Dabei mögen klimatische Bedingungen, aber auch eine langjährige Zuchtauslese auf besonders schwarmträges Bienenmaterial eine wesentliche Rolle spielt.

    Quelle: Aufzucht von Königinnen, Kai-Michael Engfer